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Kernsymptomatik

Es wird oft die Meinung vertreten, dass es "typische Legasthenikerfehler" gebe. Ein besonders häufig angeführtes Beispiel ist das Vertauschen von 'd' und 'b'.

Diese Behauptung ist unbewiesen.

In einer eigenen sehr großen Stichprobe konnten wir keinen Zusammenhang zwischen der Fehlerzahl und einer bestimmten Fehlerkategorie feststellen. Es ist vielmehr so, dass schlechte Rechtschreiber ganz einfach mehr Fehler machen als gute Rechtschreiber. Individuell kann es allerdings schon sein, dass bestimmte Menschen eine bestimmte Fehlerart (z.B. Verstöße gegen die Groß-/Kleinschreibung) besonders häufig begehen.

Bei Leseproblemen ist zu beachten, dass für die deutsche Sprache schlechte Leser nicht immer an der Zahl der Fehler zu erkennen sind, sondern an der Zeit, die sie zum Lesen eines Textes benötigen.

Rechtschreibprobleme sind gekennzeichnet durch einen oder mehrere der folgenden Punkte:

Leseprobleme sind gekennzeichnet durch einen oder mehrere der folgenden Punkte:

Sekundärsymptomatik

Durch das andauernde schulische Versagen kann es zu emotionalen Symptomen kommen:

Assozierte Störungen

Menschen mit Lese-Rechtschreibstörung haben oft noch andere Störungen, die nicht als Folge der Lese-Rechtschreibstörung aufzufassen sind.
Es wurde gezeigt, dass Menschen, die später eine LeseRechtschreibstörung entwickelten, bereits vorschulisch eine erhöhte Zahl von Verhaltensäuffälligkeiten aufwiesen (Fergusson und Lynskey 1997). Häufig berichtet wurden Störungen der rezeptiven und expressiven Sprachentwicklung.
Besonders häufig wurde gezeigt, dass Lese-Rechtschreibstörung zusammen mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen einher geht.

Verlauf der Störung

Lese- und Rechtschreibleistung sind sehr entwicklungsstabile Fähigkeiten. Beispielsweise ist das individuelle Leseniveau von Kindern der zweiten Klasse bis zur 8. Klasse sehr stabil (Klicpera und Gasteiger-Klicprea 1994). Klicpera und Gasteiger-Klicpera untersuchten Kinder aus 23 Grundschulklasse in Wien zu Beginn der zweiten Klasse, Ende der vierten und achten Klasse. Die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern im Lesen erwiesen sich als auffallend stabil. Kaum ein Schüler, der zu Beginn der zweiten Klasse Leseschwierigkeiten aufwies, erzielte in der 8. Klasse durchschnittliche Leistungen. Die schwachen Leser erreichen am Ende der achten Klasse das Leistungsniveau von durchschnittlichen Lesern in der dritten Klasse.
Diese Ergebnisse wurden erst kürzlich in einer amerikanischen Längsschnittstudie (Shaywitz et al. 1999) bestätigt. Die Leistungsstabilität zeigte sich hier bis zum 12. Schuljahr. Dieses Ergebnis ist auch unter dem Aspekt beeindruckend, dass die Leseschwachen zumindest zeitweise eine spezifische Förderung erhielten.

Aus einer epidemiologischen Stichprobe im Raum Mannheim wurden 1444 Kinder erstmals im Alter von 8 Jahren untersucht. Follow-up Untersuchungen wurden im Alter von 13 und 18 Jahren durchgeführt.
Die Ergebnisse zum Schulabschluss zeigen, dass im Vergleich zu den normal intelligenten Kindern ohne Entwicklungsrückstände die Lese-Rechtschreibschwachen signifikant seltener das Gymnasium besuchten und signifikant häufiger eine Sonderschule (Esser & Schmidt 1993).

In einer Reihe von Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Lese-Rechtschreibschwache ein deutlich geringeres Berufsbildungsniveau bzw. Beschäftigungsverhältnis hatten als auf Grund ihrer kognitiven Fähigkeiten zu erwarten gewesen wäre (Strehlow et al. 1992).

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