KJP LMU

Soziale Belohnung bei Jugendlichen mit depressiver Erkrankung

Gefördert durch das Förderprogramm für Forschung und Lehre (FöFoLe)


Hintergrund
Depressive Erkrankungen sind häufige sowie früh beginnende psychiatrische Störungen. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt im Jugendalter deutlich an. Die Anzahl betroffener Jugendlicher wird auf bis zu 10% geschätzt. Das Störungsbild äußert sich bei Jugendlichen variabler als bei Erwachsenen. Die ersten Anzeichen einer Depression bei Kindern und Jugendlichen sind oft schwierig zu deuten (z.B. Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Schulprobleme, Rückzugsverhalten und verschiedene körperliche Beschwerden). Soziale Stressoren werden als wichtige Auslöser für das erste Auftreten einer depressiven Episode im Jugendalter diskutiert. Depressive Erkrankungen sind zudem ganz wesentlich durch den Verlust sozialer Interessen sowie einen sozialen Rückzug gekennzeichnet. Auf positive soziale Reize (wie z.B. Lob) zeigt sich eine verminderte Empfänglichkeit. Gerade im Jugendalter scheinen derartige soziale Reize eine wichtige Bedeutung zu haben, die das Verhalten stark beeinflussen. In bisherigen Studien war u. a. mittels des Elektroenzephalogramms (EEG) zu sehen, dass Menschen mit depressiver Erkrankung eine veränderte Hirnaktivität beim Erhalt monetärer Verstärker (z.B. Geldgewinn) zeigen. Ob eine veränderte Hirnaktivität bei depressiven Jugendlichen auch auf soziale Verstärkung hin auftritt, ist derzeit noch unklar. Zudem ist wenig über den Entwicklungsverlauf der zugehörigen Verarbeitungsprozesse im Gehirn bei gesunden Kindern und Jugendlichen bekannt.

Ziele
In diesem EEG-Projekt soll eine klinische Studie und eine Entwicklungsstudie durchgeführt werden. Ziel ist es, zum einen zu untersuchen, ob sich Jugendliche mit Depression bei der Verarbeitung sozialer Verstärker von gesunden Jugendlichen auf Ebene des Verhaltens sowie des Gehirns unterscheiden. Die ergänzende Entwicklungsstudie soll den Entwicklungsverlauf der Verarbeitung sozialer Verstärker vom späten Kindesalter bis ins Jugendalter auf Ebene des Verhaltens sowie des Gehirns untersuchen. Erkenntnisse zur sozialen Verstärkerverarbeitung hinsichtlich des generellen Entwicklungsverlaufs sowie bei Jugendlichen mit Depression im Speziellen tragen zu einem besseren Verständnis des vielgestaltigen und variablen Erscheinungsbilds der Erkrankung im Kindes- und Jugendalter bei. Derartige Erkenntnisse können auf lange Sicht wichtige Hinweise für Diagnostik, Prävention und Therapie depressiver Erkrankungen liefern.

Durchführung
Die Patientengruppe im Rahmen der klinischen Studie umfasst 13- bis 18-jährige Jugendliche mit je leichter, mittelschwerer oder schwerer depressiver Erkrankung. Hierbei sollen weibliche sowie männliche Studienteilnehmer in das Studiendesign aufgenommen werden. Die Kontrollgruppe bilden gesunde Jugendliche im gleichen Altersbereich. Für die Entwicklungsstudie sollen Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren getestet werden. Die Rekrutierung der Studienteilnehmer erfolgt bei den gesunden Kindern und Jugendlichen über Anschreiben sowie durch Kontaktaufnahme interessierter Teilnehmer. Die Gruppe der Jugendlichen mit depressiver Erkrankung wird vorwiegend ambulant und stationär in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der LMU rekrutiert. Sowohl im Rahmen der klinischen Studie als auch der Entwicklungsstudie werden elektrophysiologische Messungen mittels EEG durchgeführt. Das EEG ist ein häufig erprobtes Verfahren, das gesundheitlich vollständig unbedenklich ist. Den Studienteilnehmern wird hierzu eine Aufgabe am PC gestellt, woraufhin sie soziale Verstärker (wie etwa Lob) erhalten. Währenddessen wird die jeweilige Gehirnaktivität in Erwartung und bei Erhalt der Verstärker abgeleitet. Zudem werden ein diagnostisches Interview sowie weitere Fragebögen zur Abklärung von Risiko- und Schutzfaktoren und eventueller Diagnosen durchgeführt. Die Testung dauert insgesamt ca. 3 Stunden, wobei eine Aufwandsentschädigung und eine kleine Belohnung für die Teilnahme erfolgt.

Kontakt
Bei Fragen zu unserer Studie oder bei Interesse an einer Teilnahme können Sie sich gerne an uns wenden:

Dipl.-Psych. Iris Landes
Email: Iris.Heimerdinger@med.uni-muenchen.de
Telefon: 089 4400 55923

Dr. Dipl.-Psych. Ellen Greimel
Email: Ellen.Greimel@med.uni-muenchen.de
Telefon: 089 4400 56952



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